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Wenn die Schafe Urlaub haben, kümmert sich die Pfarrerin um Hühner

  • Autorenbild: Martina Klein
    Martina Klein
  • 13. Juli
  • 2 Min. Lesezeit

In diesen Wochen sind viele von euch unterwegs. Die einen genießen den Sommer in Deutschland, andere reisen durch Asien oder besuchen Familie und Freunde. Kurz gesagt: Die Schafe sind im Urlaub.

Dafür bekam ich vor ein paar Tagen ein Huhn anvertraut. Während ich in meinem Arbeitszimmer saß, hörte ich plötzlich ein aufgeregtes Flattern am Fenster. Zunächst dachte ich, ein Vogel habe sich verirrt. Als ich genauer hinschaute, blickte mich jedoch ein kleines Hühnchen an. Bis heute ist mir ein Rätsel, wie es überhaupt dort hinaufgekommen ist. Mein Fenster liegt etwa zweieinhalb Meter über dem Boden. Hinauf hat es es irgendwie geschafft – herunter offenbar nicht mehr.

Das ständige Flattern wurde mit der Zeit etwas anstrengend. Also nahm ich einen Besen, ging nach draußen und schob das kleine Tier ganz vorsichtig von der Fensterbank. Es flatterte tatsächlich heil nach unten. Fall gelöst, dachte ich.

Von wegen. Kaum drehte ich mich um und wollte zurück ins Pfarrhaus, hörte ich hinter mir ein lautes Piepsen. Das Hühnchen hatte beschlossen, dass ich offenbar seine Bezugsperson war, und lief mir aufgeregt hinterher – direkt bis an meine Fersen. Meine größte Sorge war nun, dass es mit mir ins Haus gelangen könnte, denn die Tür stand noch offen. Also machte ich eine kleine Extrarunde durchs Condo. Das Hühnchen hinterher. Ich blieb stehen – es umkreiste mich. Ich ging weiter – es folgte treu. Ehrlich gesagt begann ich mich zu fragen, was wohl die Nachbarn denken mochten. Warum spaziert die Pfarrerin seit zehn Minuten mit einem piepsenden Huhn durchs Gelände? Schließlich entdeckte ich ein anderes Huhn. Mit großer Erleichterung konnte ich mein kleines Schützling gewissermaßen „übergeben“. Es schloss sich seinem Artgenossen an – und ich durfte endlich wieder allein nach Hause gehen. Seitdem muss ich immer wieder schmunzeln.

In der Bibel begegnet uns Jesus oft als der gute Hirte. Aber einmal gebraucht er ein ganz anderes Bild. Er sagt:

„Wie oft habe ich deine Kinder sammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel nimmt.“ (Matthäus 23,37)

Ich finde dieses Bild wunderschön. Es erzählt von Geborgenheit, Schutz und Fürsorge. Und genau daran erinnert mich mein kleines Hühnchen: Manchmal geraten wir in Situationen, aus denen wir allein nicht mehr herausfinden und brauchen jemanden, der uns behutsam wieder auf sicheren Boden bringt. Und manchmal genügt schon die Gewissheit, dass jemand da ist, dem wir vertrauen können.

Ich wünsche euch allen erholsame Ferientage. Zeit zum Durchatmen. Begegnungen, die guttun. Und das Vertrauen darauf, dass Gott mitgeht – auf allen Wegen.

Und ich hoffe natürlich, dass nach den Ferien alle Schafe wieder gesund und wohlbehalten zurück sind. Bis dahin halte ich Ausschau nach dem nächsten Huhn. Langweilig wird mir in Singapur jedenfalls nicht.

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